Bild- und Urheberrecht

jugendnetz-berlin.de hat Regeln zur Verwendung von Fotos zusammen gestellt. Welche Fotos dürfen wo veröffentlicht werden? Worauf muss geachtet werden und welche Fauxpas sollten auf jeden Fall vermieden werden? Welche Möglichkeiten habe ich, mir auf legale Weise Bilder zu beschaffen, die ich veröffentlichen kann - auch wenn sie nicht selbst geschossen wurden? Inwieweit darf ich diese Bilder dann verändern?

Johannes Becker, pixelio.de

Im Auftrag von jugendnetz-berlin.de wurden von Carina Meißner, Referendarin des Kammergerichts Berlin, die grundlegenden Regeln zur Verwendung von Fotos zusammen gestellt. Welche Fotos dürfen wo veröffentlicht werden? Worauf muss geachtet werden und welche Fauxpas sollten auf jeden Fall vermieden werden? Welche Möglichkeiten habe ich, mir auf legale Weise Bilder zu beschaffen, die ich veröffentlichen kann - auch wenn sie nicht selbst geschossen wurden? Inwieweit darf ich diese Bilder dann verändern? Das und vieles mehr könnt ihr unter den folgenden Punkten nachlesen.

Dabei wird auch auf besonders sensible Themen, wie das Fotografieren von Kindern und die damit verbundenen Beschränkungen oder das Fotografieren in öffentlichen und privaten Gebäuden, eingegangen.

Themenbereiche:

Thema 1 : zum Urheberrecht allgemein

Paragraphen-Zeichen auf Papier, © Tarudone/Pixelio

1. Wo ist das Urheberrecht geregelt?
Geregelt ist das Urheberrecht im Urheberrechtsgesetz (UrhG).
Das heutige Urheberrecht ist von 1965. Um sich an medientechnische Entwicklungen anzupassen, hat es zahlreiche Änderungen hinter sich.

2. Was ist urheberrechtlich geschützt?
Das Urheberrecht listet im Gesetzestext unter Paragraph 2 Absatz 1 UrhG schutzfähige Werke der Literatur, Wissenschaft und Kunst auf. Diese Aufzählung ist allerdings nicht vollständig. Auch Darstellungsformen, wie z.B. Multimediawerke beanspruchen den urheberrechtlichen Schutz.

Die glorreichen Sieben:
1. Sprachwerke – Romane, Rundfunk- und Fernsehprogramme, Theater, Interviews, Spielregeln, Werbeaussagen (mit entsprechender Individualität), Tagebücher, Merkblätter, Klausuren, Anträge und Ausschreibungen, Lexika, Wörterbücher
Computerprogramme – Benutzeroberflächen können als Sprachwerke geschützt werden, kein Schutz für HTML Codes

2. Musikwerke
– Schutz der Melodie, nicht schützenswert sind einzelne Töne oder Akkorde, Sound-Sampling ja, wenn in der Kombination der Tonfolgen eine Gestaltungshöhe liegt

3. Pantomime und Tanzkunst – Abfolge von Gebärden, Bewegungen, Mimik, Choreografie,

4. Bildende Künste – Zeichnung, Bildhauerei, Malerei, Druck, virtuelle Figuren in Computerspielen, Comicfiguren, Performance
Baukunst, angewandte Kunst und deren Entwürfe – gestaltete Vasen, Teller, Möbel, Lampen, Modeschöpfungen, Schmuckstücke, Textil- Papiergestaltungen, Werbegrafik, Briefmarken, Banknoten, bei künstlerischer Gestaltung: Homepage, Wohngebäude, Brücken, Oberflächenstruktur, Gartengestaltung

5. Fotografien als Werke und fotoähnliche Bilder

6. Filmwerke – Spielfilme, Zeichentrickfilme, Dokumentarfilme, Tages- und Wochenschauen, Werbefilme, Computerspiele

7. wissenschaftliche und technische Darstellungen - Zeichnungen, Baupläne, Landkarten, Stadtpläne, Modelldarstellungen, Tabellen, Formulare, Kreuz- oder Silbenrätsel

3. Was ist der Schutzzweck des Urheberrechts?
Das Urheberrecht schützt keine technischen Leistungen, sondern Kreativität.
Damit ein Werk urheberrechtlich schutzfähig ist, muss es nach dem Wortlaut des Gesetzgebers „eine persönliche geistige Schöpfung“ aufweisen.
Persönlich bedeutet, dass das Werk von einem Menschen geschaffen wurde. Eine juristische Person, z.B. GmbH, Verein, kann kein Urheber sein.
Ob das geschaffene Werk schutzfähig ist, bestimmt sich nach deren Gestaltungshöhe.

4. Ist eine Idee schutzfähig?
Nein. Ideen oder Geistesblitze allein sind noch nicht geschützt. Das Werk muss sich durch eine bestimmte sinnlich wahrnehmbare Formgebung auszeichnen, d.h. Sie müssen Ihre Idee umsetzen.

5. Muss ich zu einem Amt gehen, um mir mein Werk schützen zu lassen?
Der Schutz entsteht automatisch mit der Entstehung des Werkes.
Die Urheberschaft ist unabhängig von einer Registrierung.
© Der Copyright Vermerk ist nach deutschem Recht nicht erforderlich.
Dennoch ist er nicht gänzlich sinnlos. Er erfüllt eine Kennzeichnungs- und Beweisfunktion, denn dadurch entsteht bis zum Beweis des Gegenteils die Vermutung der Urheberschaft (§ 10 UrhG).

Natürlich haben Sie auch ganz freiwillig die Möglichkeit, das Werk beim Marken- und Patentamt anzumelden.

6. Wann beginnt und endet der Schutz?
Das Urheberrecht ist zeitlich begrenzt.
Der Schutz beginnt mit deren Schöpfung und endet 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Das Werk wird gemeinfrei, wenn die Schutzfrist abgelaufen ist.

7. Wenn ich mit jemandem zusammen ein Werk schaffe. Wer ist dann geschützt?
Eine Urheberschaft kann mit anderen zusammen entstehen.
Sind mehrere gemeinsam, also partnerschaftlich, an der Entstehung eines Werkes beteiligt, z.B. an Filmwerken oder Theaterproduktionen, entsteht Miturheberschaft. Darauf kann sich aber derjenige nicht berufen, der lediglich Gehilfe bzw. ohne eigene schöpferische Ideen ausführend tätig ist.

8. Wie ist der Urheber geschützt?
Der Urheber genießt mit seiner persönlichen Beziehung zum Werk einen besonderen Schutz. Dieser Schutz beinhaltet das Urheberpersönlichkeitsrecht und Verwertungsrechte. Was das im Einzelnen bedeutet, wird in den folgenden zwei Fragen beantwortet.

9. Was besagt der Schutz der Persönlichkeit des Urhebers?
Diese Rechte bleiben immer beim Urheber!

Haben Sie ein Werk geschaffen, können Sie bestimmen, ob und wie Ihr Werk veröffentlicht wird.
Gemeint ist damit: wenn Sie ein Foto machen, das Ihnen nicht gefällt, können Sie es löschen, ohne es je einem anderen gezeigt zu haben. Sind Sie allerdings der Meinung, dass Sie das beste Foto aller Zeiten gemacht haben, können Sie allein entscheiden, ob und wann Sie das Foto zum Beispiel auf Ihrer Webseite oder während einer Präsentation anderen zeigen.

Sie haben als Urheber ein Recht auf Namensnennung. Selbst wenn Sie zum Beispiel eine Fotografie verkauft haben oder ein Foto für Ihren Arbeitgeber gemacht haben, bleiben Sie immer Urheber.

Sie behalten als Urheber den Schutz vor Entstellung Ihres Werkes (§14 UrhG).
Dieser Schutz ist auch im Zusammenhang mit der Veränderung von Fotos eine ganz zentrale Bestimmung.

Entstellt ist ein Werk, wenn zum Beispiel eine andere Person Ihre Fotografie zerteilt, verzerrt, deformiert oder unrichtig darstellt, so dass es Ihre Interessen als Urheber berechtigt verletzt oder gefährdet.

10. Was sind Verwertungsrechte?
Verwertungsrechte hat das Gesetz für die Verwertung
in körperlicher Form, z.B. Vervielfältigung, Verbreitung, Ausstellung
und in unkörperlicher Form, z.B. Vortragsrecht, Recht der öffentlichen Zugänglichmachung übers Internet, Senderecht über Radio und TV, vorgesehen.

Verwertungsrechte schützen Ihre materiellen Interessen als Urheber. Alle Verwertungsrechte liegen zunächst beim Urheber. Wenn Sie entgeltlich oder kostenfrei möchten, dass andere Ihr Werk benutzen können, räumen Sie dies durch einfache oder ausschließliche Nutzungsrechte ein.

11. Wie verhält es sich eigentlich, wenn ich für meinen Arbeitgeber schutzfähige Werke schaffe?
Auch da entstehen Urheberrechte. Allerdings hat in der Regel Ihr Arbeitgeber bei Arbeitsverträgen automatisch die Nutzungsrechte an den in der Arbeitszeit entstandenen Werken. Eine Ausnahme gilt nur, wenn die erbrachte Leistung nicht zu Ihrem Stellenprofil passt, bzw. nicht Ihren beruflichen Aufgaben zurechenbar ist.

Thema 2: Schutz der Fotografie

Sind alle Fotografien urheberrechtlich geschützt?

Fotografien sind urheberrechtlich geschützte Werke. Sie finden diesen Schutz an zwei Stellen im Gesetz: Schutz als Lichtbildwerk im § 2 UrhG oder Schutz als einfaches Lichtbild im § 72 UrhG.

Der Gesetzgeber ordnet je nach der Schöpfungshöhe des Fotos zu. Unterschiede bestehen lediglich in der Verjährung.

Schaffen Sie ein kreatives Lichtbildwerk, verjähren die Urheberrechte 70 Jahre nach Ihrem Tod. Ist das Foto eher eine einfache Aufnahme, ohne große schöpferische Leistung, beträgt die Schutzdauer nur 50 Jahre.

Bilder des Blauen Wunder in Dresden, Unterschied in der Schöpfungshöhe - Künstlerischer Ansatz vs. Schnappschuss. (© Lisa, Dres / Susanne Schmich, Pixelio)

Thema 3: Aufnahmen von Personen: Das Recht am eigenen Bild

Bis auf wenige Ausnahmen, kann jeder selbst entscheiden, wie und wo er abgebildet werden möchte. (© Lisa Dres)

1. Die Dokumentation meiner Arbeit bringt mit sich, dass ich oft Kinder und Jugendliche in Aktion fotografiere. Wie ist das grundsätzlich mit dem Recht am eigenen Bild?

Das Recht am eigenen Bild ist eine besondere Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts.
Jedermann kann sich gegen Verletzungen des Rechts am eigenen Bild wehren, sofern dem nicht das Interesse einer aktuellen Berichterstattung entgegen steht.

Das Recht am eigenen Bild garantiert das Kunsturhebergesetz ( KUG ).

2. Was regelt das Kunsturhebergesetz (KUG)?

Das Kunsturhebergesetz regelt die Verbreitung und öffentliche Zurschaustellung hergestellter Aufnahmen und macht sie, abgesehen von Ausnahmen, von der Einwilligung des Abgebildeten abhängig. (§ 22 KUG)

3. Wie beurteilt man die Erkennbarkeit einer Person?

Die Erkennbarkeit einer Person beurteilt sich aus: Gesichtszügen, Merkmalen der äußeren Erscheinung, wie z.B. Haarschnitt, Körperhaltung, Kleidung oder aus eventuellen Anmerkungen zur Person im Begleittext.

4. Verhindert das Setzen eines Augenbalkens die Erkennbarkeit eines Kindes?


Nein. Die Verwendung von Augenbalken oder kleinere Bildausschnitte sind kein sicheres Indiz dafür, dass eine Erkennbarkeit des Kindes ausgeschlossen ist. Dies gilt auch für Retuschierungen des Gesichts, wenn die Person über Kleidung oder Frisur zu erkennen ist.

5. Ist eine Erkennbarkeit erheblich, wenn nur die Eltern das Kind auf dem Bild identifizieren könnten?

Ja. Es spielt keine Rolle, wie viele Personen den Abgebildeten identifizieren könnten.

6. Wie ist das mit Nennung und Angabe des Alters von Minderjährigen unter dem Bild, z.B. in einer Projektreportage?

Vorsicht! Eine Namensnennung unter dem Bildnis ist geeignet, eine Person zu identifizieren, auch wenn die Person auf dem Bild ohne Bezeichnung nur schwer bis gar nicht zu erkennen ist.
Generell sollten Sie bei allen Veröffentlichungen die Eltern vorher um Erlaubnis bitten.

Thema 4: Einwilligungserklärungen

Am besten ist es, sich schriftlich abzusichern. (© Lisa Dres)

1. Muss ich für eine Einwilligungserklärung des Abgebildeten eine Form einhalten?

Die Einwilligung ist an keine bestimmte Form gebunden.

Sie kann vor oder nach der Fotografie mündlich oder schriftlich erklärt werden und
ausdrücklich ("Ja! Ich will!") oder stillschweigend (Annahme des „Ja!“ durch das Verhalten des Abgebildeten) erfolgen.
Sie können eine Einwilligung generell, also unbeschränkt für alle Nutzungen einholen mit der Maßgabe, dass Sie selber entscheiden, für welche Veröffentlichungen Sie das Bild verwenden.
Mit der räumlichen oder zeitlich beschränkten Einwilligung für einen bestimmten Verwendungszweck legen Sie sich fest.

Unsere Empfehlung: Lassen Sie sich Einwilligungserklärungen immer schriftlich geben. So haben Sie einen Beweis in der Hand.

2. Eine Abgebildete hat es sich nach ihrer Zustimmung zur Veröffentlichung anders überlegt. Geht das?

Hat z.B. eine Teilnehmerin eines Workshops in die Veröffentlichung ihres Bildnisses im Flyer zugestimmt, ist ein Widerruf möglich, allerdings nur unter Vorliegen eines wichtigen Grundes.

3. Ich habe die Einwilligung eines Dozenten zur Veröffentlichung seines Bildnisses in einem Qualifizierungsprogramm. Kann ich sein Bildnis auch im Internet veröffentlichen?

Die Veröffentlichung im Internet ist eine weitere Nutzungsart und muss zusätzlich von der betreffenden Person genehmigt werden.

4. Welchen Inhalt sollten Einwilligungserklärungen haben?


Sie sind inhaltlich in der Gestaltung an kein Muster gebunden. Wichtig ist nur, dass Sie den Nutzungszweck genau beschreiben. Auf die Nennung folgender Angaben sollten Sie achten: Name der Person, die einwilligt, Name Ihres Trägers bzw. Projektbezeichnung, Zweck der Verwendung des Bildnisses, Nutzungsfestlegung (zeitlich und räumlich begrenzt oder unbegrenzt), Ort, Datum, Unterschrift des Abgebildeten bzw. Sorgeberechtigten.

Thema 5: Fotos von Kindern und Jugendlichen

Ohne Weiteres können solche Bilder nicht veröffentlicht werden. (Grafik: Lisa Dres, Foto: Stefan Espig)

1. Ich möchte Fotos von Kindern und Jugendlichen zur Dokumentation und für unsere Öffentlichkeitsarbeit verwenden. Für welchen Zweck benötige ich eine Einwilligung?

Sie benötigen nicht nur für die Veröffentlichung im Internet, die Herstellung von Flyern oder Programmen die Einwilligung der Eltern, sondern auch für den Abdruck in Projektberichten, Jahresberichten sowie für Präsentationen.

2. Ich möchte Abbildungen von Jugendlichen verwenden. Benötige ich dafür auch noch eine Einwilligungserklärung der Eltern?

Ausschlaggebend ist die Volljährigkeit mit Eintritt des 18. Lebensjahres.

Umstritten ist die Prozedur der Einwilligung bei „einsichtigen“ beschränkt Geschäftsfähigen, also älteren Minderjährigen.
Eine Einsichtsfähigkeit wird mit einem Alter ab 14 Jahren angenommen. Hier wird im Interesse des Mitspracherechts des Minderjährigen eine doppelte Zustimmung verlangt. Gemeint ist damit, dass neben der Zustimmung des gesetzlichen Vertreters auch die Einwilligung des Minderjährigen notwendig ist.

3. Wir haben zusammen mit Kindern während einer Veranstaltung deren Bildnisse durch ein Bildbearbeitungsprogramm verzerrt und witzig übertrieben verändert. Können wir die Ergebnisse auf unserer Webseite veröffentlichen?

Vor der Veröffentlichung ist eine Einwilligung der gesetzlichen Vertreter notwendig.
Gerade Montagen oder Collagen können bestimmte Aussagen transportieren, die eventuell ungewollt den Abgebildeten in einem negativen Licht darstellen. Sollten Sie für den Hintergrund fremdes Bildmaterial verwenden, bitte denken Sie auch daran, ob Sie diese Nutzungsrechte haben.

Thema 6: Abbildungen ohne Einwilligung der Abgebildeten

1. Ich möchte ein Bildnis unserer Schule veröffentlichen. Auf dem Bild öffnet gerade jemand die Eingangstür und betritt das Gebäude. Benötige ich von dieser Person die Genehmigung zur Veröffentlichung?

Wenn die Örtlichkeit im Vordergrund steht und nicht die Person, muss keine Einwilligung des Betroffenen eingeholt werden.
In dem Falle könnte die Personenabbildung auch entfallen, ohne die Aussage des Bildes zu verändern. Man spricht hier von der Person als „Beiwerk“.

2. Während einer Klassenfahrt habe ich eine Gruppe von Schülern vor einer schönen Berglandschaft fotografiert. Ich möchte das Bild auf unserer Webseite veröffentlichen. Geht das?

Das ist wiederum nur mit Einwilligung der Abgebildeten möglich und fällt nicht unter die Panoramafreiheit. Die Abgebildeten nehmen einen wesentlichen Stellenwert im Bild ein. Hier könnte die Abbildung der Gruppe nicht entfallen, ohne die Aussage des Bildes zu verändern.

3. Muss ich die Teilnehmer einer Tagung um Erlaubnis fragen, wenn ich sie fotografieren möchte?

Wenn Sie mit den Bildern das Gesamtgeschehen einer Veranstaltung dokumentieren möchten, ist eine Einwilligung nicht notwendig. In dem Fall steht die Menschenansammlung im Vordergrund und nicht die einzelne Person. Anders verhält es sich bei Nahaufnahmen von Zuhörenden.

Unsere Empfehlung: Weisen Sie bei Nahaufnahmen während größerer Veranstaltungen die betreffenden Personen auf die Verwendung der Bilder hin.

Beispielbild Thema 06

Thema 7: Abbildungsfreiheit und Hausrecht

1. Kann ich das Bildnis des Brandenburger Tores auf unserer Webseite veröffentlichen?

Das Brandenburger Tor ist eine bleibende Sehenswürdigkeit Berlins. Wenn Sie die Aufnahme von einem öffentlich frei zugänglichen Ort gemacht haben, ist eine Verwertung des Bildes möglich.

2. In der Nähe unserer Einrichtung hat ein bekannter Künstler innerhalb einer Kunstaktion für einige Wochen ein altes Gebäude verhüllt. Kann ich ein Bildnis davon veröffentlichen?

Nein. Kurzweilige Kunstaktionen fallen nicht unter die Abbildungsfreiheit, auch wenn sie sich an öffentlichen, für jedermann frei zugänglichen, Plätzen befinden. Hier benötigen Sie die Einwilligung des Künstlers.

3. Können wir am Schloss Tegel Fotoaufnahmen für eine Jugendmodenschau machen?
Vorsicht! Viele öffentlich zugängliche Anlagen haben ein Hausrecht. Oftmals bestimmt das Hausrecht, ob und unter welchen Bedingungen Aufnahmen gemacht werden können. Eine ausdrückliche Fotografiererlaubnis oder Drehgenehmigung ist in diesem Falle erforderlich.

Ein Hausrecht kann z.B. auch gelten in: Zoologischen Gärten, öffentlichen Verkehrsmitteln, Bahnhöfen der Bahn AG, Kaufhäusern, Stadien, Festplätzen, Sportstätten, Ateliers, Studios, Schulen, Kirchen, Betriebsgeländen, Gerichtsgebäuden oder Behörden.

Thema 8: Freie Benutzung, Bearbeitung und Umgestaltung von fremdem Bildmaterial

Unzulässige Bearbeitung: Durch Änderung in s/w und die farbige Akzentuierung ändert sich die Bildaussage. (© Lisa Dres)

1. Ich möchte für einen Flyer ein Foto nutzen, was uns ein Fotograf für eine frühere Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat. Da unser Flyer in einem schwarz-weiß Stil angelegt ist, habe ich das Bild mit einem Effekt verändert.

„Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes dürfen nur mit Einwilligung des Urhebers des bearbeiteten oder umgestalteten Werkes veröffentlicht oder verwertet werden....“ ( § 23 UrhG)
Dieses Recht schützt den Fotografen vor einer unerwünschten Veränderung seines Bildes. Bitte holen Sie sich vor der Veröffentlichung die Einwilligung des Fotografen für eine weitere Veröffentlichung und das Nutzungsrecht für die Bearbeitung des Bildnisses ein.

2. Ich habe ein Bildnis für ein Druckprodukt leicht in der Helligkeit verändert. Fällt das unter eine einwilligungsbedürftige Bearbeitung?

Eine leichte digitale Bildbearbeitung ist ohne Zustimmung des Urhebers möglich, z.B. wenn es sich um eine Verbesserung der Bildqualität handelt: (Tonwertkorrektur, Kontrast, Helligkeit).

3. Ab wann spricht man von einer zulässigen freien Benutzung eines fremden Bildnisses?

Sie müssten das Ursprungswerk so stark verändern, dass es ganz und gar verblasst bzw. nicht mehr erkennbar ist. Eine freie Benutzung tritt erst ein, wenn ein neues selbständiges Werk entstanden ist.

Die Abgrenzung der freien Benutzung von einer Umgestaltung oder Bearbeitung ist eine schwierige Aufgabe, denn es gibt kein allgemeines Kochrezept.
Zudem führen elektronische Bildbearbeitungen ganz häufig nur zu Bearbeitungen oder Umgestaltungen des Fotos, aber selten zur freien Benutzung als eigenständiges Werk!

Unsere Empfehlung: Diverse Rechtsratgeber auf Fotowebseiten bzw. Foren unternehmen den Versuch, Regeln aufzustellen. Verlassen Sie sich nicht darauf.
Änderungen, wie z.B. Farbänderungen, Arbeiten mit Effekten oder Bildausschnitten reichen für eine freie Benutzung nicht aus. Bitte verwenden Sie keine besonders bekannten Motive. Deren Individualität schimmert oft noch bei großen Veränderungen durch.

Thema 9: Verwendung von Fotografien aus Bildbörsen

1. Wo bekomme ich freie Bilder her?

Wenn Sie nach freien Bildern im Netz suchen, werden Sie schnell fündig, z.B. unter
www.Pixelio.de oder www.flickr.com

2. Was muss ich bei der Verwendung von freien Bildern aus Bildbörsen beachten?

Wenn Sie Fotos aus Bildbörsen verwenden wollen, lesen Sie bitte vorher deren Allgemeine Geschäftsbedingungen.
Beachten Sie in dem Zusammenhang auch das Recht auf Namensnennung des Fotografen. Generell ist üblich, den Namen des Fotografen entweder unter sein Bild zu setzen oder im Abspann zu erwähnen. Auch Wasserzeichen am Bildrand sind möglich. Die einzelnen Bildbörsen haben dafür ganz konkrete Bestimmungen.

3. Ich möchte ein Bild für Vereinszwecke veröffentlichen, wo ich mir nicht sicher bin, ob ich es durch seine beschränkten Nutzungsbedingungen verwenden darf.

Unsere Empfehlung: Neben allen Bildern stehen Angaben zum Urheber der Fotografie. Nehmen Sie mit diesem Mitglied Kontakt auf und bitten Sie ihn persönlich um Einwilligung. Dadurch vermeiden Sie im Vorfeld eventuell spätere Unannehmlichkeiten.

Thema 10: Freie Inhalte im Netz

Was versteht man unter „Creative Commons“?

Das sind lizenzfreie Inhalte im Netz. Diese Angebote können Sie als CC-Lizensierungen, den sogenannten „Creative Commons“, finden. Es gibt dabei sechs unterschiedliche Lizenzen. An deren Symbolen erkennen Sie, wie Sie das Werk für eigene Belange nutzen dürfen.

Weitere Details zu den CC-Lizenzen erfahren Sie auf der Webseite:

de.creativecommons.org

An den Icons und der entsprechenden Kombination kann man ablesen, wofür und in welchem Rahmen die Bilder genutzt werden dürfen. (© Lisa Dres)


Wir haben für euch noch weitere Adressen und Informationsquellen zum Thema "Haftung für Internetangebote" zusammengestellt. Die Liste findet ihr hier auf jugendnetz-berlin.de.

mabb Heft

„Alles geklärt?“ - mabb-Booklet zum Thema „Medienproduktion & Recht“

Welche rechtlichen Voraussetzungen es zu beachten gilt, wenn man selber zum Medienproduzenten wird, darüber gibt eine neue Broschüre der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) Auskunft.

Kurzbeschreibungen der entsprechenden Gesetze – vom Urheber- bis zum Markenrecht – führen in verständlicher Sprache Nachwuchs- und Hobby-Medienmachende in die Thematik ein. Namhafte Expertinnen und Experten wie Fotograf Jim Rakete, Musikredakteur Hagen Liebing und Regisseurin Maja Classen geben Auskunft über rechtliche Fragen aus ihrer beruflichen Praxis. Tipps, Links und Checkliste stellen konkrete Handlungshilfen dar.

Gerade Jugendmedienprojekte bewegen sich immer wieder im rechtlichen Graubereich – auch, weil sie nicht wissen, auf welche Rechtszusammenhänge überhaupt zu achten ist. Das Booklet hilft, „Stolperfallen" zu umgehen, um selbstbewusst, medienkompetent und aktiv die digitale Welt mitgestalten zu können“, wie Markus Beckedahl, Mitglied des Medienrates der mabb, in seinem Grußwort schreibt.

Interessierte können „Alles geklärt? Medienproduktion & Recht“ kostenlos anfordern, an Jugendmedienprojekte kann das Booklet auf Anfrage auch in höherer Stückzahl verschickt werden.

Zusätzlich steht die Broschüre als Download bereit.

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg fördert seit 2001 die Vermittlung von Medienkompetenz im Rahmen von Förderprojekten sowie eigenen Initiativen und Publikationen.


 
 
 

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