Jugendforum denk!mal – In Erinnerung an alle Opfer der NS-Zeit

31.01.2018 - Anlässlich des Jugendforums „denk!mal 2018“ erinnern Jugendliche an die Opfer des Nationalsozialismus. Ich habe mir die Ausstellung im Abgeordnetenhaus etwas genauer angesehen.

Während der NS-Zeit ermordeten die Nationalsozialisten in Auschwitz über anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die Gefangenen des Konzentrationslagers. Der 27. Januar, der Tag der Befreiung von Auschwitz, ist daher kein Feiertag im üblichen Sinn. Er ist ein "DenkTag": Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft – es bleibt die Hoffnung, aus der Vergangenheit zu lernen. Das beste Mittel gegen Völkerhass und Nationalsozialismus ist und bleibt die Erinnerung an die und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. Es darf nicht verschwiegen oder hinter sich gelassen werden, was geschehen ist, denn nur so kann der Respekt und die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit lebendig gehalten werden.

Deshalb veranstaltete das Abgeordnetenhaus von Berlin bereits zum 16. Mal das Jugendforum denk!mal – anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Mehr als 40 Projekte beteiligten sich in diesem Jahr, so der Veranstalter. Das diesjährige Motto „Von Dir, nicht von gestern“ animierte die Projektgruppen dazu, ihr eigenes Denkmal im Zusammenhang mit den Geschehnissen des Nationalsozialismus zu errichten. Dabei konnten die Jugendlichen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Wie die Jahre davor beteiligten sich viele Kinder und Jugendliche in Form von Theaterstücken, Malereien, Gedichten, Tänzen, Musikstücken und vielem mehr!

Was neu war...

Es gab dieses Jahr aber auch eine Neuheit des Gedenktages im Berliner Abgeordnetenhaus für die Jugendlichen, die sich mit ihren Kunstwerken am Projekt beteiligt haben. 2018 gab es nämlich das erste Mal in Ergänzung zur Ausstellung und Bühnenpräsentation auch eine Dialogveranstaltung. Diese sollte den Jugendlichen eine Möglichkeit zum gemeinsamen Dialog und gegenseitigen Austausch über ihre Projekte geben. In Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum fand die Dialogveranstaltung am Tag der Abendveranstaltung, am 31. Januar 2018, von 15 bis 17 Uhr statt. Moderiert wurde sie von Joachim Hausknecht, welcher selbst feststellen musste, dass die Veranstaltung fast auf eine Moderation hätte verzichten können. Die Kinder und Jugendlichen saßen sich an mehreren Tischen gegenüber und tauschten sich angeregt über ihre Projekte aus. Beim Herumgehen habe ich gleich gemerkt, wie eifrig und stolz sie am Erzählen waren, welches Projekt sie auf die Beine gestellt hatten und wie sie überhaupt auf die Idee kamen. Die Altersklassen der Schüler*innen reichten dabei von 7 bis 17 Jahre. Der Moderator tauschte manchmal die Gruppen, damit die Teilnehmer*innen die Möglichkeit hatten, mehr über die Projekte von noch unbekannten Gesichtern zu erfahren. Ich finde, diese Veranstaltung ist eine ganz besonders wichtige, bevor man die danach folgende Abendveranstaltung besucht. Nur so bekommen die Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit anderen Teilnehmer*innen auszutauschen und für neue Projekte inspirieren zu lassen.

Auch ich lernte viel Neues und Interessantes über die Projekte, die ich teilweise zuvor im Ausstellungsraum betrachtet hatte. Eine Mädchenwohngruppe des Vereins Kindeswohl aus Buch z.B. beschäftigte sich mit Anne Frank. Sie trafen Zeitzeugen und besuchten das Anne-Frank-Haus in Amsterdam. Die Zeitzeugen schenkten ihnen sogar Requisiten wie Briefe oder eine Puppe aus der damaligen Zeit, die sie dann in einem Koffer im Abgeordnetenhaus ausstellen konnten. Der Koffer gehört eigentlich der Familie Fleischfresser, ebenfalls eine jüdische Familie, die aus dieser Zeit stammt. Während der Abendveranstaltung im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses verlas eine Teilnehmerin des Projekts einen Brief an Anne Frank, den sie mit ihrer Wohngruppe verfasst hatte: „Deine tollen Ideen, deine Willenskraft und vor allem dein Mut und deine Widerspenstigkeit haben uns regelrecht angesteckt. Ja, du bist für uns ein Vorbild geworden! Wir sind so gespannt, wohin uns unsere Reise führt, und wir werden voller Stolz deine Geschichte ein Stück in die Welt tragen – und damit Frieden, den auch wir uns heute so sehr wünschen.“

Die Ausstellung – Eine Reise in die vergangene Zeit

Auch im Anschluss an die Abendveranstaltunglud der Präsident des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, alle Gäste dazu ein, unbedingt die Ausstellung des Jugendforums zu besichtigen. Ich hatte die Ausstellung bereits vorher besucht und war überwältigt von all den kreativen Projekten, die die Jugendlichen selbstständig und mit eigener Willenskraft auf die Beine gestellt hatten.

Das Casino des Abgeordnetenhauses von Berlin verwandelt sich jedes Jahr in einen Ausstellungsraum für eure Projekte. Diesmal wurden die von den Jugendlichen eingereichten Projekte vom 29. Januar bis 9. Februar 2018 im Casino präsentiert und ausgestellt. Als Besucher der Ausstellung kann man einiges entdecken: Man bekommt Filme zu sehen, darf Skulpturen bewundern, Tonaufnahmen hören oder Fotos betrachten. Durch die kreativen Projekte anderer Jugendlicher kann jeder viel über die Geschichte des Nationalsozialismus lernen – abseits des Klassenraumes und des Geschichtsbuches. Mich persönlich haben die Kunstwerke sehr berührt und zum Nachdenken angeregt. Besonders der Koffer und all die dazugehörigen Texte haben mich sehr beeindruckt und mein Interesse für die Geschichte noch mehr geweckt. Alle Schüler*innen haben sich sehr viel Mühe gegeben, um aus Respekt an die Opfer der NS-Zeit zu gedenken. Auch Werke ohne Worte – die Zeichnungen und Malereien – haben eine Gänsehaut bei mir ausgelöst, denn ein Bild sagt schließlich mehr als 1000 Worte. Aber seht selbst!

 
 
 
 
 

 
 
 

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