Begegnungen im Zeitalter von VR: Review zum Workshop "Du und Ich: Virtuell Reell" - Tag 1

16.9.2017 - Gemeinsam mit Janik Emil aus der jup!-Redaktion besuchte ich den 2-Tages-Workshop zum Thema „Du und ich: Virtuell Reell“. Was wir erlebt haben und wie VR überhaupt funktioniert erklären wir euch hier!


Tag 1 – Erster Kontakt zu VR und Ideenentwicklung

Begegnung findet auf den verschiedensten Wegen statt. Nach Wikipedia ist die Begegnung eine "Bezeichnung der Ich-Du-Relation, in der […] zwei Menschen in einer besonderen Interaktion stehen".
Doch gäbe es die Möglichkeit unsere Wahrnehmung von Begegnungen im Zeitalter der innovativen Technologien auf ein neues Level zu heben und so die "klassische" Bezeichnung der Begegnung in einen neuen Kontext zu setzen? Ist es möglich, nicht nur das Zusammentreffen zweier Menschen, sondern auch den Raum um sie herum selbst zu definieren? 

Um all diesen Fragen auf den Grund zu gehen, hat sich eine Gruppe von Jugendlichen, über ein Wochenende hinweg (16. & 17.09.), im Rahmen des  VR-Workshops "Du und Ich: Virtuell Reell" getroffen. Hierbei wurden die Räumlichkeiten von dem „Drive. Volkswagen Group Forum" in der Friedrichstraße gestellt.


„Ars Electronica“ – Medienkunst:  Zwischen Mensch und Technik

Nach der ersten Begegnung zwischen den Teilnehmenden und den Workshopleitern bot sich uns die Chance, eine Führung durch die derzeitige Ausstellung im Besucherbereich des Drives zu erhalten.

Die dortige Ausstellung „Ars Electronica“ ist ein Festival zur Präsentation und Förderung von Kunst, welches in enger Verbindung zu digitaler Technik steht. Diese „Ars“ (lat. Ars, dt. „Kunst“) findet alljährlich statt und wird zum inzwischen 6. Mal in Berlin ausgestellt. In der diesjährigen Ausstellung befassen sich 14 internationale Künstler mit der Beziehung von Mensch zu Maschine. Wie begegnen sich die beiden Seiten? Was macht überhaupt menschliche Kommunikation aus, wenn nun auch Maschinen hören, sehen und verstehen können? Die Ausstellung lädt geradezu ein, auszuprobieren und sich im näheren Kontext mit der Thematik zu beschäftigen. Genau dies haben wir Workshopteilnehmer*innen uns auch im späteren Verlauf des Wochenendes zunutze gemacht.


Was bedeutet Virtual Reality?

Kurze Zeit später fanden wir wieder im Konferenzsaal, ein Stockwerk über der Ausstellung, zusammen. Nun folgten die ersten Schritte, um überhaupt Virtual Reality zu verstehen und sich dem Thema anzunähern. Dabei wurden uns zum einem die Grundlagen des 360°-Filmes aufgezeigt und zum anderem die Probleme, welche aufgrund der 360°-Ansicht folgen, erläutert. Schließlich gingen wir über zu den praktischen Wahrnehmungsübungen, welche zwar unbewusst in unserem Alltag geschehen, beim 360°-Film jedoch bewusst gewählt werden müssen. So sollte stets ein bestimmter Abstand zwischen dem virtuellem Ich und dem Du eingehalten werden. Dafür gab es dann Übungen, in dem sich zwei Personen gegenüberstanden und den Abstand jeweils so wählen sollten, dass sie sich wohl bzw. unwohl fühlten. Gerade bei VR ist die Positionierung und Orientierung im Raum besonders wichtig. Steht eine Person in deinem "Personal Space" fühlt man sich gleich bedrängt – dieses Gefühl kann dann in einem 360°-Film verwendet werden. Auf diesem Grundlageninput folgte dann schließlich die Mittagspause – eine weitere Chance, neue Kontakte zu knüpfen, das eigens für den Workshop gekochte Essen zu genießen und den Kellnerservice zu bewundern.


Die Gefahr von Übelkeit

VR stellt die gesamte Filmmethodik auf den Kopf: So kann man nun nicht mehr einfache Schnitte mit verschiedenen Perspektiven setzen, sondern muss ganz individuell auf die Situation des Avatars eingehen. Das Hauptziel – die Immersion (Eintauchen von Menschen in eine computergenerierte Welt) – wird jedoch durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt. So kann sich der Avatar nie selbstständig bewegen. Wenn dann jedoch beispielsweise die Kamera einfach bewegt wird, kann das zur sogenannten Motion-Sickness führen. Dieses Übelkeitsgefühl entsteht, wenn die Augen dem Gehirn übermitteln, dass man sich bewegt, aber der Körper keine Bewegungssignale übermittelt.
Aber ein besonders schwerwiegender Grund, warum der Spieler sich nicht als Teil der virtuellen Realität fühlt, liegt daran, dass der Spieler keine direkte Interaktion mit der KI (künstliche Intelligenz) eingehen kann, da diese nicht auf alle möglichen menschlichen Verhaltensmuster reagieren würde.

Aufgrund dieser eher theoretischen Aufklärung begann dann schließlich das Herumexperimentieren an der Technik – Stative, 360°-Kameras, VR-Brillen oder Handys. Mit dieser professionellen Ausrüstung war es nun möglich, den ersten kleinen VR-Film zu produzieren. Hierbei musst dann auch das Wissen über 360°-Filmtechniken angewandt werden. Das Produkt der Gruppenarbeiten konnte dann auch nach einiger Zeit angeschaut und bewertet werden. Nach einer kurzen Kaffeepause mit allen nur erdenklichen Kuchensorten kamen wir zum letzten Tagespunkt.
Es folgte eine Phantasiereise, in der man in seinen eigenen Tagträumen versinken konnte und so sein Bewusstsein in neue Welten lenkte. Ein zentraler Erkenntnisprozess, der auch am Sonntag wichtig werden sollte.

 

 
 
 

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